TRE – Gib dem Stress keine Chance


Stress macht krank – diese Aussage ist in aller Munde. Aber was bedeutet das überhaupt? Wie kann ein zu großer „zu Bearbeiten“-Stapel auf dem Bürotisch zu einer Krankheit führen? Und viel wichtiger: Wie können wir unserem Körper dabei helfen, den Stress abzubauen? Unser Gesundheitsexperte, Dr. Holger Klein, stellt Ihnen TRE vor, eine innovative Methode zum Stressabbau, die mit geringem Aufwand von jedermann im Büro oder zu Hause praktiziert werden kann.


Was passiert im Körper bei einer Stresssituation?

Früher, als das Hauptaugenmerk der Menschen auf der Mammutjagd und nicht der Papierstapelbearbeitung lag, musste man in der Lage sein, schnell auf Gefahren reagieren zu können. Davon hing schließlich der Ausgang einer Begegnung mit einem Mammut oder einem Säbelzahntiger ab. In einer Gefahrensituation werden im Körper verschiedene Stresshormone – wie z. B. Adrenalin – freigesetzt, die dem Körper die so genannte fight or fligh-Reaktion ermöglichen; d. h. Flucht oder Kampf. Diese Stresshormone bereiten die Freisetzung der Energiereserven im Körper vor und lösen eine Anspannung der Körpermuskulatur aus. Somit konnte die zusätzliche Energiereserve entweder zur Flucht oder zum Kampf gegen das Mammut verwendet werden.

Wenn die Gefahr vorüber ist

Heutzutage haben sich die Mammuts in Papierstafel transformiert, während der Körper jedoch seine Flucht oder Kampf-Stressbekämpfungsstrategie beibehalten hat: Stresshormone werden ausgeschüttet, die Muskeln angespannt, –  nur verlangt die Bekämpfung des Papierstapels keinen so physischen Aufwand wie die des Mammuts. Ergo: Die Anspannung der Muskeln bleibt ungenutzt. Was heißt das für den Körper? Schauen wir es uns am Beispiel des uns allen bekannten Stresshormons Adrenalin an: Die Ausschüttung von Adrenalin führt zur Steigerung des Blutdrucks und der Herzfrequenz. In einer Gefahrensituation ermöglicht dies unter anderem die erhöhte Blutversorgung der Muskulatur, der Körper ist leistungsstärker und erreicht so beispielsweise beim Laufen ein höheres Tempo. Dauerhafte Erhöhung des Blutdrucks ist wiederum nicht förderlich sondern schädlich für den Körper.

Im Vergleich zu kurzen, wiederkehrenden Begegnungen mit Gefahrensituationen in der damaligen Zeit, ist die Konfrontation mit stressverursachenden Situationen in der heutigen Gesellschaft zunehmend permanent. Da der Papierstapel auf dem Schreibtisch zudem in der Regel nicht kleiner, sondern größer wird, wird die Ausschüttung der Stresshormone konstant gefördert – die Anspannung der Körpermuskulatur nimmt beständig zu. Was passiert aber, wenn sich diese ganze Anspannung im Körper ansammelt? Wie im Falle des erhöhten Blutdrucks wirkt sich diese schädlich auf den Körper aus. Sie schwächt das Immunsystem und führt zu Krankheiten.

Wie kann man die Balance wiedererstellen?

Balancewiederherstellung – genau hier setzt TRE an. TRE steht für Tension, Stress & Trauma Release Exercise; oder auf Deutsch: Übungen zur Auflösung von Spannung, Stress und Trauma. Diese wurden von David Berceli, einem US amerikanischer Bioenergetiker und Psychotherapeuten, entwickelt, der hier seine Erfahrung aus der Behandlung von Trauma-Patienten in Kriegsgebieten einfließen ließ. Berceli stellte fest, dass die Patienten, die einen Schock oder traumatische Erlebnisse erlitten, nach Konfrontationen mit diesen mit naturgegebenem Zittern im ganzen Körper reagierten. Diese natürliche Reaktion des Körpers auf solche stressbelastete Zustände ist ein Selbstheilungsmechanismus, der die stressbedingte Verspannung der Muskeln auflöst. Im Übrigen hat Berceli diesen Mechanismus auch bei anderen Säugetieren beobachten können.

Wie funktioniert es genau?

Das Zittern, welches sich im Körper ausbreitet, aktiviert verschiedene Muskeln und führt zu ihrer Dehnung und Streckung, so dass diese aufgelockert werden. Somit wird der in den Muskeln gespeicherte Stress in Form von Anspannung abgebaut und schließlich das Gleichgewicht im Körper wiederhergestellt. Basierend auf diesem Prinzip hat Berceli eine Reihe von einfachen Körperübungen entwickelt, die gezielt das naturgegebene Zittern in Körper aktivieren und dem Körper verhelfen in einen ausgeglichenen Normalzustand zurückzukehren. Diese Methode nutzte Berceli z.B. bei der Behandlung der Trauma-Opfern der Terroranschläge in Norwegen oder nach dem Schulmassaker in Newtown, Arizona. Aber auch im Umgang mit dem täglichen Papierstapel hat sich TRE bereits als sehr hilfreich erwiesen.

Im Anschluss präsentieren wir Ihnen die TRE-Übungsreihe. Es empfiehlt sich zunächst, zwei TRE-Sitzungen in Begleitung eines Übungsleiters zu halten, so dass  die Übungen im Nachhinein korrekt und effektiv eigenständig durchgeführt werden können.


1

Position: Kippen beider Füße jeweils in dieselbe Richtung auf den Fußkanten; dadurch steht man jeweils mit einem Fuß auf Außen- und mit dem anderen auf Innenkante

1.Halten dieser Position bis Sie das Gefühl haben, eine 7 aus 10 auf Ihrer persönlichen Ausdauer-Skala (die so genannte „persönliche 7“) erreicht zu haben

2. Anschließend wechseln auf die andere Seite

3. Fortsetzen des Kippens der Füße bis zur persönlichen 7

4. Ausschütteln der Füße

2

Position: Ablegen eines Fußes mit dem Fußrücken nach hinten (man steht soz. auf einem Bein)

1. Anheben der Ferse des stehenden Fußes und wieder senken; mit diesem Fuß wiederholen bis zur persönlichen 7; Ausschütteln der Beine

2. Wiederholen der Übung mit dem anderen Fuß; Ausschütteln der Beine

*Zur Hilfe kann sich an einer Wand angelehnt werden

3

Position: Auf ein Bein stellen, Oberkörper hängt nach vorne, Hände können leicht den Boden berühren, Gewicht sollte immer auf stehendem Fuß liegen

1. In dieser Position Kniebeugen bis zur persönlichen 7 machen; Beine kräftig ausschütteln

2. Wechseln des Beins und Wiederholen der Übung mit dem anderen Fuß; Beine kräftig ausschütteln

4

Position: Beine so weit auseinander stellen, dass Spannung in Innenseiten der Beine zu spüren ist

1. Nach vorne Beugen bis der Boden leicht berührt wird (max. persönliche 7), Dehnung an Innenseite der Oberschenkel und in Kniekehlen sollte zu spüren sein, 3 tiefe Atemzüge nehmen

2.  Langsam mit beiden Händen zu einem Fuß wandern, 3 tiefe Atemzüge nehmen; anschließend wandern die Hände zu anderem Fuß; 3 tiefe Atemzüge nehmen

3.  Mit den Händen zurück zur Mitte  wandern, Hände nach hinten drehen und mit den Händen zwischen den Beinen hindurch nach hinten wandern, 3 tiefe Atemzüge nehmen

4.  Zum Abschluss langsam wieder aufrichten

5

Position: Hände oberhalb der Pobacken legen; Becken leicht nach vorne schieben (leichter Bogen im Rücken und leichte Dehnung an Vorderseite der Oberschenkel sollte zu spüren sein)

1.  Ausgehend von den Hüften leicht nach hinten drehen, hinter sich schauen, 3 tiefe Atemzüge nehmen

2.  Wiederholen der Übung in die entgegengesetzte Richtung, 3 tiefe Atemzüge nehmen

3.  Zum Abschluss langsam wieder aufrichten

6

Gegenbewegung: Hüftbreit hinstellen, nach vorne beugen, halten der Position bis zur persönlichen 7; aufrichten

7

Position: Mit Rücken gegen die Wand setzen; so als würde man sich auf einen Stuhl setzen (Spannung in Oberschenkelmuskulatur)

1.  Halten der Position bis zur persönlichen 7

2.  An der Wand etwas nach oben bewegen (Gewicht sollte immer auf den Füßen liegen, nicht auf den Knien); es kann bereits zu einem leichten Zittern kommen

3.  Persönliche 7 erreicht: Position verändern (ggf. nochmals etwas nach oben bewegen)

4.  Wurde eine Position gefunden in der Beine ohne Schmerzen zittern, kann Position gehalten werden (anfangs jedoch max. 8-10 Minuten unter Berücksichtigung der persönlichen 7)

8

Position: Mit gegeneinander gelegten Fußsohlen und geöffneten Knien auf den Boden legen („Schmetterling-Position“)

1.  Becken vom Boden abheben bis zur persönlichen 7; Becken wieder ablegen, ggf. kann es schon zu einem leichten Zittern kommen

2.  Beine (immer noch mit gegeneinander gelegten Fußsohlen) etwas nach vorne schieben und Knie langsam aufeinander bewegen; dabei sollte sich leichtes Zittern einstellen, welches im Laufe der Übung stärker wird (max. bis zur persönlichen 7). Es ist selbst zu entscheiden in welcher Position das Zittern am angenehmsten ist.

3.  Zum Beenden der Übung werden die Beine ausgestreckt und man bleibt ausgestreckt auf dem Boden liegen (aufstehen sollte man immer über die Seite)

Mit dem Ausstrecken der Beine oder durch das Aufstehen kann der Prozess jederzeit sofort beendet werden.

Am Anfang sollte nicht zu oft und zu lange gezittert werden; also nicht länger als 5-10 Minuten maximal dreimal am Tag.

Möchten Sie auch stressfreier leben? Unser eCoach zum Thema Stress hilft Ihnen dabei.