TEA-Tales. Wenn Tees Geschichten erzählen

In Deutschland gehört Tee in die verstaubte Ecke. Den trinkt man in der Regel, wenn man krank ist oder sich sonst irgendwie unwohl fühlt. Ansonsten verbinden viele Tee mit einem Besuch bei der Oma, für den sie sogar ihr kostbares hauchdünnes Porzellangeschirr aus dem Schrank rausholt – das mit dem goldenen Rand und den Rosenverzierungen.

Wenn das Wort Tee auch bei Ihnen genau diese Assoziationen hervorruft, dann lesen Sie bitte weiter. Denn wir haben uns mit der Inhaberin einer Berliner Tee-Bar namens Tea-Tales getroffen, um zu hören, warum ausgerechnet dieses von vielen als altmodisch erachtetes Getränk ihr einen Innovationspreis beschert hat und warum Sie – liebe Kaffee-Trinker – unbedingt auf Tee umsteigen sollten…

 

Frau Schröder, mit Ihrer Tee-Bar haben Sie sowohl den Gastro-Gründerpreis als auch den Innovationspreis der Deutschen Bahn gewonnen. Was ist genau das Konzept hinter Tea-Tales?

Mit unserer Tee-Bar wollten wir tea-to-go etablieren, so wie es Starbucks mit Kaffee gemacht hat. Coffee-to-go gibt es ja schon seit über 20 Jahren. Tee verbinden aber die meisten immer noch mit altmodischen Porzellantassen. Dabei wollten wir kein klassischer Teeladen sein, in dem endlose Tee-Döschen stehen, deren Anblick den Besucher direkt überfordert. Stattdessen haben wir uns für eine engere Auswahl entschieden. So bleibt es einerseits überschaubar, anderseits ist aber für jeden Geschmack etwas dabei.

Außerdem ist für uns Tee nicht nur Tee; jeder unserer Tees hat seine eigene und einzigartige Geschichte.

 

Wie entstehen Ihre Tee-Kreationen?

Zuerst ist uns die Qualität des Tees unheimlich wichtig. Denn nur wenn er richtig gepflückt und verarbeitet wird, behält er seine gesunde Wirkung. Daher legen wir viel Wert auf Zutaten aus ökologischem Anbau. Wir sind sogar selbst zu den Tee-Plantagen in Kalkutta und Darjeeling gereist, um uns ein Bild davon zu machen, unter welchen Bedingungen unser Tee angebaut wird.

Als Nächstes kam die Zusammenstellung der Tees, an der wir ein ganzes Jahr arbeiteten, bevor wir die Tee-Bar geöffnet haben. Dabei wollten wir den Tee-Traditionen einen modernen Kick verpassen und ganz neue Tee-Kombinationen schaffen. So haben wir beispielsweise für unseren Weihnachtstee ein Lebkuchen-Rezept genommen und die Gewürze aus dem Rezept mit einem Schwarztee gepaart. Zur Verfeinerung haben wir ihm ganz im weihnachtlichen Sinne eine Orangen- und Schokoladennote verpasst. Das war die Geburtsstunde von Gingerbread Madness („ Lebkuchen-Wahn“).

 

Und wie werden diese Ideen umgesetzt?

Nachdem so eine Idee entstanden ist, wird der Tee von unserem Lieferanten zusammengestellt. Nun liegt es an den Testern – Kunden und professionellen Tee-Schmeckern – ihre Meinung zu den neuen Teesorten zu äußern, sodass das Rezept anschließend verfeinert werden kann. Danach wird der Tee von unserem Lieferanten gemischt und in riesige Säcke abgefüllt, die dann in den Behindertenwerkstädten Stephanus in Berlin ankommen. Dort werden die Tees liebevoll abgefüllt, verpackt und verschickt. Ein Teil geht in unsere Tee-Bars. Der Rest wird an andere Gastronomen, die Tees ausschenken, oder an die Kunden, die über unseren Online-Shop bestellt haben, gesendet.

 

Manche widmen Ihre ganze Freizeit Ihrer Leidenschaft, andere machen Sie zum Beruf. Sie haben sich ganz klar für die zweite Variante entschieden. Wie kam es dazu?

Es war die Kombination aus zwei Sachen: Ich bin schon immer gerne viel gereist und habe auch liebend gerne Tee getrunken. Bei meinen Reisen hatte ich die Gelegenheit unterschiedliche Teekulturen und Traditionen in der Welt kennenzulernen. Beispielweise habe ich Verwandte in Argentinien, wo Mate-Tee als das offizielle Erfrischungsgetränk dient. Zudem habe ich jahrelang als Product Development Managerin bei Sony gearbeitet und somit den in der japanischen Kultur tief verankerten Tee-Zeremonien beiwohnen können. Mit meinem Geschäftspartner Philipp, der meine beiden Leidenschaften teilt, wollten wir diese Teetraditionen zusammenfassen und nach Deutschland bringen –  um die deutsche Tee-Kultur zu entstauben.

 

Warum Tee und nicht Kaffee, der beim Volk einen wesentlich größeren Coolness-Faktor genießt?

Tee ist wesentlich vielfältiger und gesünder als Kaffee. Die Sage um die erste Tee-Entdeckung ist über 2000 Jahre alt. Diese erzählt von einem buddhistischen Mönch, der meditierend unter einem Baum saß und vor sich eine Tasse mit heißem Wasser hatte. In diese fiel plötzlich ein Teeblatt, ohne dass der Mönch dies bemerkte. Als er seine Tasse mit dem heißen Wasser an den Mund hob, war er erstaunt über den großartigen Geschmack und die augenblickliche belebende Wirkung. So nahm der Legende nach die Tradition des Tees ihren Anfang und seitdem folgten noch unzählige weitere Entdeckungen über die Gesundheitsvorzüge von Tee.

Gibt´s denn trotzdem Leute, die in Ihre Tee-Bars kommen und nach Kaffee fragen?

Das machen tatsächlich viele. Zum Glück haben wir auch für den Kaffee-Trinker etwas ganz Tolles; den sogenannten Matcha-Tee. Es ist ein japanischer Grüntee, der dreimal so viel Koffein wie eine Espresso-Tasse beinhaltet. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Grüntee ist, dass man beim Matcha-Tee das Blatt mittrinkt; so wie beim Kaffee die Bohne mitgetrunken wird. Hier wird das Teeblatt zu Pulver zermahlen und dann mithilfe eines Bambusbesens mit Wasser vermischt, wodurch der dickflüssige Matcha-Tee entsteht.

Auch dieser Tee birgt eine sehr lange Geschichte. Zum Beispiel trinken ihn die Samurais in Japan, um sich auf einen Kampf vorzubereiten. Aber nicht nur in Japan genießt der Matcha hohe Popularität – in den USA ist der Matcha-Latte tatsächlich der letzte Mode-Schrei. Und hierzulande etabliert er sich mehr und mehr als die gesunde und nicht weniger leckere Kaffee-Alternative. Also unbedingt ausprobieren!

 

Matchatee-Steckbrief

  • Die Königin unter den Grüntees: Sehr hochwertiger Tee und eine der ältesten Teesorten Japans; nur wenige Teebauern besitzen die komplexe Kenntnis, diesen Tee herzustellen.
  • Der einzige Tee, wo man das Blatt mittrinkt. Dieses wird zum feinsten Pulver zermahlen und mit dem japanischen Chasen Besen mit Wasser aufgeschlagen. Dadurch gelangt die ganze Power des Blatts direkt in den Körper.
  • Superfood: durch die besondere Art des Anbaus und der Herstellung enthalten die Blätter besonders viel Blattgrün (Chlorophyll), Antioxidantien und Vitamine. Hoher Gehalt an Carotin, Vitamin A und D.
  • Wird seit über 800 Jahren von Zen-buddhistischen Mönchen zur Meditation verwendet, ist der Tee der klassischen Tee-Zeremonie in Japan und wurde auch von den Samurai getrunken.

Mehr zu den Tea-Tales-Tees und den Geschichten, die sich dahinter verbergen, auf  www.teatales.de. Und wie sieht es mit der eigentlichen Tee-Geschichte aus? Wie lange gibt´s ihn schon und wo kommt er eigentlich her? Wissen Sie das? 

Sind Sie ein TeexperTee? Teesten Sie sich!

Sind die folgenden Aussagen richtig oder falsch?

1. Tee kommt ursprünglich aus Indien
2. Früher wurde in Europa nur Grüntee und kein Schwarztee getrunken
3. Schwarz- und Grüntee werden aus derselben Pflanze hergestellt
4. Rooibostee ist gar kein Tee
5. Koffein und Tein sind zwei unterschiedliche Inhaltsstoffe

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