Hilfe, Papa geht in Rente!

„Das ist aber provokant!“. Denken Sie das beim Lesen einer derartigen Überschrift? Fragen Sie sich, „Wie kann man nur?“ oder „So schlimm kann’s ja wohl nicht sein!“? Doch, kann’s. Und wird es in weit mehr Familien als man annimmt noch werden. In immer mehr Familien, dem steigenden Lebensalter durch effektivere medizinische Versorgung, der deutlich besseren und bewussteren Ernährung und der besseren Arbeitsumstände von der Wiege bis zur Bahre sei Dank.

Wir hoffen, lieber Leser, Sie sind noch bei uns und verzeihen uns die ersten Sätze. Nichts desto trotz ist die Aussage inhaltlich richtig, und die Auswirkungen auf die Gesellschaft, auf unsere Gesellschaft, werden sicherlich dramatisch sein. Nicht in jeder Familie, nicht bei jedem Ruheständler und Pensionär, aber bei der so genannten „breiten Masse“.

Ist Ihnen bewusst, dass von den heute 60-jährigen Männern mehr als ein Drittel über 90 Jahre alt werden? Dass heute 60-jährige Frauen in mehr als 50% eine Aussicht auf eine, Regelrenteneintritt mit 65 Jahren angenommen, Rentenbezugsdauer von 25 Jahren haben?

25 Jahre Rentenbezug, 30 Jahre Rentenbezug… – ein Problem, nicht nur für das Renten- und Gesundheitssystem, sondern auch ein struktureller Umbruch der Gesellschaft und des Umgangs mit den Themen Altersarbeit, Freizeitverhalten, familiäre und partnerschaftliche Spannungen emotionalen Ursprungs.

Was heute allerdings noch niemand wirklich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, wie er (und natürlich auch sie…) im Rentenalter die dann freie Zeit verbringen wird. Und wir sprechen jetzt keinesfalls von der ersten Woche, dem ersten Monat und ggf. nicht mal vom ersten Jahr nach Renten- und Pensionseintritt. Wir sprechen von der Zeit nach der ersten Euphorie. Und vor der großen Ernüchterung. Wie die Tage gefüllt werden, wenn die Wohnung geputzt und der Einkauf erledigt ist? Wenn die Erkenntnis reift, dass auch der Vorgarten keiner permanenten Hege bedarf. Und der Lebenspartner gleichwohl auch nicht…

Statistisch betrachtet geht bereits heute jeder 8. Rentner/Pensionär (männl./weibl.) einer mehr oder weniger regelmäßigen entgeltlichen Tätigkeit nach. Der Job an der Kasse der Tankstelle, Sachbearbeitertätigkeiten im Büro der Kinder oder Enkel, Kinderbetreuung daheim oder in Einrichtungen, Wachtätigkeit, Reinigungs- und Pflegetätigkeiten, Referententätigkeit an VHS oder privater Weiterbildungsstätte – Möglichkeiten gibt es zu Hauf. Und mit steigendem Prozentsatz wird auf die Fachkompetenz Älterer in der ehemaligen Arbeitsstätte zurückgegriffen.

Sieht man es demografisch-pragmatisch, dann kann man schon heute sagen, dass die Zahl (mit)arbeitender Rentner, Pensionäre und Ruheständler in nicht allzu ferner Zukunft an die Zahl der voll Erwerbstätigen zu weit mehr als einem Drittel heran reichen dürfte. Weil es schlicht und einfach die Notwendigkeit dazu gibt. Und wachsend geben wird. Eine gesellschaftspolitische Veränderung ist somit unausweichlich, wir steuern quasi direkt darauf zu. Und das ist auch gut so.

Es braucht nicht allzu viel Phantasie, um auch kritische Gedanken zum zukünftigen tagtäglichen Miteinander zu entwickeln. Im besten Fall gelingt es nach 45 Arbeitsjahren mit einem traumwandlerischen Einerlei von Arbeitstag und Freizeit radikal zu brechen und brechen zu müssen, manchmal ist diesbezüglich aber guter Rat teuer.

Es bedarf guter Nerven und einer schonungslosen Offenheit, das „Damoklesschwert Freizeit“ als Chance zu begreifen. Oder eben einer Beschäftigung, die allen physischen und psychischen Anstrengungen des Arbeitslebens zum Trotz, erfüllend und fordernd ist. Die den älteren Menschen das Standing gibt, das ihm zusteht. Das ihn sowohl aufgrund seiner Arbeits- und Lebensleistung als auch aufgrund seiner Qualitäten in der Mitte der Gesellschaft positioniert. Es besteht somit keinerlei Grund – vor allem nicht für Kinder und Angehörige –, eine gedankliche und zeitliche Annäherung an „den Tag X“ zu kritisch zu sehen. Denn so viel ist sicher: Alt oder älter werden wir alle. Früher oder später.

Wir möchten Ihnen, liebe Leser, nachfolgend Hinweise geben, inwieweit es tatsächlich auch heute schon Möglichkeit und Projekte von wirklich visionären Menschen und Institutionen gibt. Ist Ihnen bewusst, dass im Internet unzählige Job-Börsen zu finden sind, die die ganz speziellen Fähigkeiten und Interessen älterer Menschen und Bedürfnisse von Arbeitgebern zusammenführen? Als Suchbegriffe Minijob und Rentner eingeben und Sie werden erstaunt sein. Probieren Sie es aus!

Seniorenkurse für gemeinsame sportliche Aktivitäten kennt jeder, aber wissen Sie auch, dass einige Kommunen eine Art „generationenübergreifendes Bauen und Leben“ in Bezug auf ein tatsächlich gelebtes Miteinander forcieren und fokussieren? Miteinander – Wohnen in Verantwortung e.V., ein Wohnprojekt in Düsseldorf, dergleichen es in ähnlicher Ausrichtung in vielen Städten gibt.

Reiseportale für den sprichwörtlich rüstigen und reiselustigen Rentner gibt es schon recht lange und sie erfreuen sich von Jahr zu Jahr steigender Beliebtheit. Wodurch das Angebot stetig größer wird und die Preise für die Standardreisen vergleichbar stetig niedriger werden…

Wer den Standard nicht mag, der kann sich höchst individuell beraten lassen und ist beispielsweise bei www.seniorenreisen.de gut aufgehoben (wir haben es getestet!). Dem Umbruch und der veränderten Ausrichtung in unserer Gesellschaft Rechnung tragend, darf selbstverständlich die Seite www.seniorenreisen.info/singlereisen nicht unerwähnt bleiben.

Setzt man sich einmal ernsthaft und intensiv mit dem Thema auseinander, so wundert man sich tatsächlich nicht mehr, was es alles gibt und dass es alles gibt. Von A wie Anfängerkursen für den Erwerb des Führerscheines bis Z wie Mitarbeit im Zoologischen Garten.

Freuen wir uns also auf die Zeit danach. Nach dem Job und dem Beruf. Die Freizeit verbringt man mit Menschen, mit denen man seine Zeit verbringen möchte und macht Dinge, die man machen möchte und immer schon machen wollte. Das gilt uneingeschränkt für Sie, liebe Leser, für uns und natürlich erst recht für die Generation 60+.