Eine kleine Reise durch Europa auf der Suche nach den exotischsten Gabenbringern

Christkind oder Weihnachtsmann… wer bringt denn nun die Geschenke? Für manches Kind in unserem Lande ist die Antwort ganz klar. In Bayern beispielsweise schreibt jedes Kind einen Wunschzettel an das Christkind und hofft auf die Erfüllung seiner Wünsche. In Sachsen hingegen wenden die Kleinen sich voller Vorfreude an den Weihnachtsmann. Demnach beliefert das Christkind die katholischeren Gegenden West-, Südwest- und Süddeutschlands mit Geschenken, während der Weihnachtsmann das protestantisch geprägte Nord-, Mittel- und Ostdeutschland versorgt. 

In anderen Ländern, wie den USA, England oder Frankreich lastet die Verantwortung einzig und allein auf den Schultern des Weihnachtsmannes. Was für ein Glück für Santa Claus, Father Christmas oder auch Père Noël, dass es noch Länder gibt, in denen sich jemand anders um die Geschenkverteilung kümmert. Wir haben für Sie Gabenbringer der etwas anderen Art zusammengestellt:

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Italien

Ein freundlich ausschauender, rauschbärtiger, alter Mann auf einem Schlitten mit Rentieren? Von wegen! In Italien erhalten die Kinder ihre Geschenke von einer Hexe – la Befana-, die auf einem Besen durch die Gegend fliegt. La Befana füllt die Socken und Schuhe der braven Kinder mit Geschenken, während sie die verzogenen Kinder mit Kohle bestraft.

Der Legende nach haben die Heiligen Drei Könige bei ihrer Ankunft in Betlehem eine ältere Dame gebeten, ihnen den Weg zum Haus des Christkinds zu zeigen. Die ältliche Frau, la Befana, war jedoch zu beschäftigt, um ihrer Bitte nachzukommen. Als die Heiligen Drei Könige weitergezogen waren, bereute sie ihnen nicht geholfen zu haben. Sie packte einen Korb voller Geschenke und begab sich auf die Suche nach dem Christkind. Allerdings war es bereits zu spät: Der Stern von Betlehem am Nachthimmel war verschwunden und der Weg zum heiligen Kind somit verloren. Seither fliegt la Befana auf ihrem Besen von Haus zu Haus und hinterlässt Geschenke – in der Hoffnung, das Christkind sei dort.

Als sei das nicht genug, dass die italienischen Kinder von einer alten Hexe beschenkt werden – nein, sie müssen auch noch bis zum 6. Januar auf die Bescherung warten.

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Norwegen

Auch die Norweger haben sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Hier werden die Geschenke von einem – halten Sie sich fest – Ziegenbock gebracht. Der Julebukk, übersetzt der Weihnachtsziegenbock, hat seinen Ursprung in der germanischen Mythenwelt als Verkörperung des Gottes Thor. Thor, der in seiner Rolle als Donnergott auch für das Wetter und die Fruchtbarkeit der Erde zuständig war, spielte eine wichtige Rolle im germanischen Winterfest Jul. Nach der Christianisierung wurde aus Jul Weihnachten und aus dem Julebukk der Gabenbringer.

In der modernen Welt hatte verständlicherweise der Weihnachtsmann doch etwas mehr Charme als ein weihnachtlicher Ziegenbock und verdrängte diesen in der Aufgabe des Freudenbringers. Und wenn wir ehrlich miteinander sind: Wer möchte sich Thor schon als ein Ziegenbock vorstellen, wenn es stattdessen die viel attraktivere Variante gibt – nämlich Chris Hemsworth als Thor im gleichnamigen Hollywood-Film.

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Baskenland

Ein weiterer ungewöhnlicher Gabenbringer ist der Olentzero. Für diese Gestalt finden sich im Baskenland, der Grenzregion der Staaten Frankreich und Spanien, viele verschiedene Varianten. Eine davon besagt, dass Olentzero ein Riese war, der mit anderen Riesen in den Pyrenäen lebte. Eines Tages sichteten die Riesen im Himmel eine glühende Wolke. Diese Wolke war so gleißend hell, dass keiner den Blick auf sie richten konnte – außer einem sehr alten, fast blinden Riesen namens Olentzero. Als der Alte die Wolke ansah, erkannte er voller Furcht, dass sie das Zeichen für die Geburt Jesu darstellte. Aus Furcht vor der Christianisierung bat Olentzero die anderen Riesen, ihn vom Felsen hinabzuwerfen, um dem Christentum zu entfliehen. Als sie ihn wie geheißen zum Felsen trugen, stolperten sie und fielen vom Felsen während Olentzero als letzter seiner Art am Leben blieb.

Somit hatte Olentzero keine andere Wahl, als zum Christentum zu bekehren. Seitdem kommt der von Kohle beschmutzte, Pfeife rauchende und trinklustige Riese ein Mal im Jahr aus den Bergen in die Städte, um die baskischen Kinder an Weihnachten zu beschenken.

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Katalonien

Den mit Abstand kuriosesten Gabenbringer besitzt Katalonien, die spanische Region um Barcelona. Hier erhalten die Kinder am 8. Dezember, zu Maria Empfängnis, einen toten Baumstamm mit einem lächelnden Gesicht, zwei Beinen und einer roten Zipfelmütze. Der Baumstamm namens tió de Nadal (aus dem Katalanischen: Weihnachtsonkel) wird zu einer Art Tamagotchi: Die Kinder müssen sich bis Heiligabend um ihn kümmern, ihm zu Essen geben und ihn mit einer Decke warm halten.

Und jetzt wird´s richtig spannend: An Heiligabend müssen die Kinder auf ihren beliebten tió de Nadal mit Stöcken einschlagen, damit dieser – wie drückt man es bloß höflich aus – die Geschenke „ausscheidet“. Wenn der tió de Nadal genug Schläge eingesteckt hat und seine Bedürfnisse in Form von Geschenken und Süßigkeiten verrichtet hat, dürfen die Kinder die Hand unter seine Decke stecken, unter der die Geschenke verborgen sind.

Das passende Lied zu dem „Ausscheidungs-Ritual“ gibt es auch, es ist allerdings nichts für schwache Gemüter. Daher entschied sich die Redaktion für einen wohlwollenden Verzicht genauerer Ausführungen.

Ob Christkind oder Weihnachtsmann, die Redaktion wünscht Ihnen viel Spaß bei der Bescherung! Falls Sie sich aber für eine Bescherung à la Julebukk, la Befana, Olentzero oder tió de nadal entscheiden, freuen wir uns natürlich über die Fotos.